Grüner Wasserstoff für Bremerhaven

Das zweijährige Projekt „Grüner Wasserstoff für Bremerhaven“  legt den Grundstein für eine Wasserstoffwirtschaft in der Seestadt. Mit rund 20 Mio. Euro vom Land Bremen und der Europäischen Union wird der Aufbau einer Wertschöpfungskette von der Produktion über die Speicherung bis zur praktischen Erprobung gestartet. Die Ausrichtung auf einen wachstumsstarken Zukunftsmarkt soll neue Möglichkeiten für die Region erschließen und den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort stärken. Die neuen Aktivitäten knüpfen an die gewachsene wissenschaftliche Kompetenz und bestehende Infrastruktur aus der Forschung für Windenergie und Verfahrenstechnik an. Die Projektpartner Hochschule Bremerhaven, Fraunhofer IWES und ttz Bremerhaven untersuchen in vier ausgewählten Anwendungen das Potenzial von grünem Wasserstoff und bereiten damit den Weg für wirtschaftliche, CO2-reduzierte Industrieprozesse sowie flexible und resiliente Strom- und Energiesysteme.

Geplantes Elektrolyseur-Testfeld zur Wasserstoffproduktion und die vier praktischen Anwendungen

Infografik „Grüner Wasserstoff für Bremerhaven“
Zahlen zum Projekt

Das Fraunhofer IWES baut ein Elektrolyseur-Testfeld auf, das in der ersten Ausbaustufe eine 2 MW-Elektrolyseureinheit umfassen wird. Läuft diese im Volllastbetrieb, kann so rund 1 Tonne Wasserstoff/Tag produziert werden. Die Energie für die Elektrolyse liefert die 8 MW Forschungsturbine. Außerdem erprobt das IWES den Einsatz einer Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzelle zur elektrischen Versorgung der Messgeräte in einer Boje, die zur Windpotenzialbestimmung an Offshore-Standorten eingesetzt wird.

Die Hochschule Bremerhaven richtet ein Microgrid-Testlabor ein, um die Möglichkeiten autarker Netze zu untersuchen: Die CO2 neutrale Versorgung großer Arealnetze wie des Gewerbegebiets Lune Delta wird ebenso betrachtet wie kleinere Arealnetze, zum Beispiel für die Stromerzeugung auf Schiffen und Yachten oder der Baustellenstromversorgung, die ohne Netzanschluss auskommt.

Das ttz Bremerhaven erzeugt mit einer Testanlage im Labormaßstab synthetisches Erdgas als alternativen Treibstoff für den Mobilitäts- und Transportsektor. Es erkundet darüber hinaus Einsatzmöglichkeiten für Wasserstoff-angetriebene Fahrzeuge in der Logistik und modifiziert einen Industrie-Backofen für den Wasserstoff-Betrieb.

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Beste Voraussetzungen vor Ort

Der Aufbau einer Wasserstoffproduktion in direkter Nähe zur Windenergieanlage und dem > nachhaltigen Gewerbegebiet Lune Delta im Fischereihafen erschließt gezielt Synergien. Das Elektrolyseur-Testfeld mit anfangs 2 MW, perspektivisch 10 MW-Elektrolysekapazität, kann Industrieunternehmen und den Mobilitätssektor mit grünem Wasserstoff versorgen. Außerdem sind die Elektrolyseure an das virtuelle 44 MVA-Mittelspannungsnetz des Dynamic Nacelle Testing Laboratory (DyNaLab), der führenden Einrichtung für Netzintegrationstests von Windenergieanlagen, angeschlossen. Dadurch lässt sich ermitteln, wie ein stärker dezentral ausgelegtes  Stromnetz Versorgungssicherheit bieten kann. Wissenschaftler können nachvollziehen, wie Elektrolyseure aufgebaut sein müssen, um Netz-stabilisierend zu wirken.

Mit der Norddeutschen Wasserstoffstrategie haben die Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein klares Bekenntnis für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft abgegeben: Bis zum Jahr 2025 sollen 500 Megawatt, bis 2030 mindestens 10 Gigawatt Elektrolyseleistung im Norden aufgebaut werden. Regionen, die stark auf Energiegewinnung aus Windkraft setzen, erfüllen beste Voraussetzungen für die Erzeugung von „grünem“ – also emissionsfrei hergestelltem – Wasserstoff. Seehäfen wird künftig für den Export von Wasserstofftechnologien und Bauteilen für die Erzeugungsanlagen sowie für den Import und die Verteilung von Wasserstoff eine herausgehobene Bedeutung zukommen.

Im Bereich der Wasserstofftechnik wurde im Jahr 2019 eine Vorstudie für das aktuelle Projektgebiet Fischereihafen und das Lune Delta von der Hochschule Bremerhaven, dem Institut für Windenergie und dem Verein H2BX erstellt. Darin wurden die Potenziale von Wasserstoff für die Infrastruktur und Koppelprodukte für Anwendungen in der Mobilität, Logistik, Industrie und Wärmewirtschaft untersucht. Die vielversprechendsten Anwendungen werden aktuell im Projekt „Grünes Gas für Bremerhaven“ auf ihre wirtschaftliche und technische Umsetzbarkeit untersucht. Die Ergebnisse sollen Unternehmen den Weg zu einem späteren Einsatz im industriellen Maßstab erleichtern.

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